Ohne Netz keine Energiewende: Warum Strompreise und Versorgungssicherheit zusammenhängen

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Der Erfolg der Energiewende entscheidet sich längst nicht mehr allein bei Windrädern und Solaranlagen. Er hängt am Netz. Strom kann vielerorts nicht flexibel genug dorthin transportiert werden, wo er gebraucht wird – trotz ausreichender Erzeugung. Engpässe treiben die Preise nach oben, günstiger erneuerbarer Strom geht verloren, während teurere Kraftwerke einspringen müssen.

Allein in Deutschland wurden 2023 rund 10 Terawattstunden erneuerbarer Strom nicht genutzt, obwohl er günstig verfügbar gewesen wäre – rechnerisch genug, um etwa drei Millionen Haushalte ein Jahr lang zu versorgen. Ursache sind fehlende Netzkapazitäten: Kann Strom nicht aufgenommen oder weitergeleitet werden, müssen Anlagen heruntergefahren werden, während konventionelle Kraftwerke einspringen. Die Folge sind höhere Kosten für Haushalte und Unternehmen.

 Jens Geier bringt es auf den Punkt:

„Wir haben in Europa in den letzten Jahren viel in erneuerbare Energien investiert. Aber ohne leistungsfähige Netze kommt der Strom nicht dort an, wo er gebraucht wird – und das macht Energie unnötig teuer.“

Netze sind kritische Infrastruktur – technisch und politisch

 Damit wird deutlich: Ein modernes Energiesystem braucht mehr als neue Erzeugung. Es braucht leistungsfähige, digitalisierte und sichere Netze – widerstandsfähig gegen Ausfälle und gezielte Angriffe.

„Wenn wir Stromnetze modernisieren, geht es nicht nur um Technik, sondern um Sicherheit und Verlässlichkeit“, sagt Jens. „Ein instabiles Netz macht die Energiewende angreifbar.“

Wie real diese Verwundbarkeit ist, hat am Anfang des Jahres der großflächige Stromausfall im Berliner Süden gezeigt. Unabhängig von den laufenden Ermittlungen unterstreicht er, wie sensibel kritische Infrastruktur ist – und wie hoch die Anforderungen an Schutz, Redundanz und Resilienz sein müssen.

Europäische Antworten auf ein europäisches Problem

 Die EU-Kommission hat nun ein Maßnahmenpaket für den Ausbau und die Modernisierung der europäischen Energienetze vorgelegt („Grid Package“). Es reagiert auf den steigenden Bedarf an Netzkapazitäten – ausgelöst durch mehr erneuerbare Energien, wachsenden grenzüberschreitenden Stromhandel und die zunehmende Elektrifizierung von Industrie, Verkehr und Wärme.

Gerade für Industrieregionen wie Nordrhein-Westfalen ist das von zentraler Bedeutung. Eine leistungsfähige Netzinfrastruktur entscheidet darüber, ob günstiger Strom bei Unternehmen ankommt, Investitionen ausgelöst werden und Wertschöpfung gesichert bleibt. Netzengpässe treffen hier nicht abstrakte Märkte, sondern ganz konkret Industrie, Beschäftigte und Kommunen.

Tempo, Koordination und Systemblick entscheiden über den Erfolg

 Für Jens ist dabei entscheidend, dass der Netzausbau deutlich schneller vorankommt. Genehmigungsverfahren dauern vielerorts zu lange; wenn Leitungen jahrelang geplant, aber nicht gebaut werden, wird die Energiewende unnötig teuer. Beschleunigung ist notwendig.

Zugleich braucht es eine stärkere europäische Koordination. Strom macht an Landesgrenzen nicht Halt, Netze müssen deshalb gemeinsam geplant werden – insbesondere bei grenzüberschreitender Infrastruktur. Das stabilisiert den Markt und senkt langfristig Kosten.

Und schließlich darf Netzpolitik nicht isoliert gedacht werden. Strom, Wärme, Verkehr und Industrie müssen enger zusammenspielen. Auch der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft, Speichertechnologien und mehr Effizienz gehören dazu.

„Wir brauchen einen klaren Fokus auf die Verknüpfung der verschiedenen Energiebereiche“, sagt Jens, „hier fehlt den Vorstellungen der Europäischen Kommission noch sehr viel Fantasie.“

Zentrales Element der Energiewende

 Das neue Netzpaket greift einige dieser Punkte auf – von besserer langfristiger Planung über Investitionsanreize bis zur Stärkung zentraler europäischer Infrastrukturprojekte. Es ist ein zentraler Baustein für die europäische Energiewende.  Die Vorschläge der Kommission werden nun im Europaparlament und im Rat beraten.

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