Wettbewerb mit China: Wie Europa seine Industrie schützt – und was jetzt zu tun ist

road in Shanghai lujiazui financial center, China

Der weltweite Wettbewerb um Zukunftstechnologien spitzt sich zu – und Europa steht mittendrin. Vor allem Chinas Industriepolitik setzt europäische Unternehmen unter Druck: Durch massive Subventionen, Überkapazitäten und aggressive Exportstrategien entstehen Wettbewerbsverzerrungen, die Europa nicht unbeantwortet lassen kann. Besonders betroffen sind Branchen wie Elektromobilität, Batterien, Windkraftanlagen oder Halbleiter – also genau jene Industrien, die entscheidend für die wirtschaftliche und ökologische Zukunft Europas sind. Der Handlungsdruck ist hoch.

Was auf dem Spiel steht – es geht um mehr als Autos

Die europäische Autoindustrie steht derzeit besonders im Fokus. Der jüngste Schritt: Die EU-Kommission führt Schutzzölle von bis zu 35 % auf chinesische Elektroautos ein. Grundlage ist eine Untersuchung, wonach chinesische Hersteller ihre Fahrzeuge rund 20 % günstiger anbieten können – nicht etwa durch bessere Technologie, sondern durch staatliche Subventionen. Doch die Herausforderung betrifft längst nicht nur die Automobilbranche:

  • Windkraft: Europäische Hersteller geraten durch Dumpingpreise chinesischer Anbieter ins Hintertreffen.
  • Batterien: Eine Schlüsseltechnologie für die Mobilitätswende – hier droht Europa den Anschluss zu verlieren.
  • Halbleiter: Ohne eine sichere Versorgung ist Europas digitale und industrielle Souveränität gefährdet.

Europa ist gefordert, einen eigenen Weg zu gehen – und hat damit längst begonnen.

Keine Abschottung, aber klare Kante: Europas Antwort

Die Zölle auf chinesische E-Autos sind ein Beispiel für Europas wachsende Bereitschaft, faire Marktbedingungen zu verteidigen. Denn hier gilt: Wettbewerb ja – aber auf Augenhöhe. „Level Playing Field“ heißt das neudeutsch und bedeutet, dass für alle dieselben Spielregeln gelten müssen. Wer mit unfairen Mitteln operiert, darf nicht freie Bahn bekommen. „Europa darf nicht zusehen, wie seine Schlüsselindustrien unterlaufen werden – nur weil andere mit unfairen Mitteln spielen“, sagt Jens Geier.

Europa reagiert dabei nicht nur defensiv, sondern handelt strategisch.

  • Mit den IPCEI-Initiativen (Important Projects of Common European Interest) werden gezielt Projekte in der Batterie- und Halbleiterproduktion gefördert.
  • Der Net-Zero Industry Act fördert klimaneutrale Industrien.
  • Der Critical Raw Materials Act sichert den Zugang zu wichtigen Rohstoffen.
  • Mit Clean-Tech Europe investiert die EU gezielt in saubere Technologien.

 

„Während andere auf billige Exporte setzen, stärkt Europa gezielt seine industrielle Basis – mit Investitionen, Innovationen und dem Fokus auf guter Arbeit“, betont Jens.

Gleichzeitig gilt es, die eigenen Handelsbeziehungen zu überdenken und auf neue Füße zu stellen. Europa hat in den letzten Jahren gelernt, wie riskant einseitige Abhängigkeiten sind – das gilt insbesondere für Gaslieferungen aus Russland. Bei Zukunftsindustrien wie Seltenen Erden, Batterien oder Halbleitern will die EU deshalb vermeiden, von China erneut so stark abhängig zu werden. Diversifizierung von Importen ist daher oberstes Gebot. Rohstoffe und Vorprodukte sollen in Zukunft nicht nur aus einem Land bezogen werden, sondern aus möglichst vielen Partnerstaaten. Dafür baut die EU neue Rohstoffpartnerschaften auf, zum Beispiel mit Kanada, Chile Australien oder afrikanischen Ländern.

Neue Handelsabkommen der EU enthalten inzwischen fast immer Kapitel zur Nachhaltigkeit, zu Arbeitnehmer:innenrechten und Umweltschutz. Das Ziel: Wettbewerb fair gestalten und sicherstellen, dass er nicht auf Kosten von Menschenrechten oder Klimaschutz geht. WTO -und Anti-Dumping-Regeln spielen dabei eine immer größere Rolle. Die EU will keine Abschottung, aber es muss möglich sein gegen Dumpingpreise oder über Kapazitäten vorzugehen, wie im Fall der chinesischen E-Autos. Kluge Handelspolitik bedeutet deshalb auch, Schutzmaßnahmen einzusetzen ohne in einen Handelskrieg zu rutschen.

Was jetzt zu tun ist: Nachlegen mit Strategie und Tempo

Trotz dieser konkreten Fortschritte bleibt viel zu tun. Europa muss schneller und entschlossener handeln. Konkret heißt das:

  • Genehmigungsverfahren vereinfachen und beschleunigen.
  • Fördermittel schneller bereitstellen und abrufen.
  • Lieferketten absichern, Handelsbeziehungen weiter gestalten und diversifizieren
  • Die industrielle Wertschöpfung in Europa halten und Arbeitsplätze sichern.

„Wer unsere Industrie sichern will, darf nicht auf die Kräfte des Marktes vertrauen. Wir brauchen eine strategisch kluge Industriepolitik, die unsere Schlüsselindustrien gezielt stärkt und gleichzeitig faire Handelsbeziehungen durchsetzt. Nur dann wird Europa langfristig eine Chance haben – und dafür arbeiten wir hier hart“, sagt Jens.

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