Bühne frei für erneuerbaren Wasserstoff

Eine Neufassung der Gasmarktrichtlinie kommt Anfang 2023 zur Abstimmung ins Europaparlament. Hauptziel: Die Förderung von erneuerbarem Wasserstoff soll die Dekarbonisierung des Gasmarktes voranbringen: „Bezahlbare Energiepreise und Energiesicherheit wird es langfristig nur mit einer eigenständigen und klimafreundlichen Energieversorgung in der EU geben“, stellt Jens Geier klar. Er ist Berichterstatter des Parlaments für die Überarbeitung der Gasmarktrichtlinie und damit der Abgeordnete, der die Neufassung erarbeitet. Sie legt den Grundstein für den Umstieg von fossilen Brennstoffen auf kohlenstofffreie und erneuerbare Energiequellen im Gas- und Wasserstoffmarkt. Das Europaparlament wird voraussichtlich im Februarplenum über den neuen Entwurf abstimmen.

Kohlenstoffarmer Wasserstoff als Zwischenlösung

Wasserstoff wird langfristig eine wichtige Rolle dabei spielen, Europa klimaneutral zu machen. Er ist enorm vielseitig einsetzbar: Als Energieträger in der Industrie für Brennstoffzellen, als Basis für synthetische Kraftstoffe oder als Energiespeicher. Außerdem kann er auch dort verwendet werden, wo Elektrifizierung nicht möglich ist – zum Beispiel im Flug-, Schienen- und Schiffsverkehr. Doch Wasserstoff ist ein knapper Rohstoff.

Bis die Herstellung von CO2-freiem Wasserstoff den Bedarf decken kann, muss ersatzweise auf kohlenstoffarmen Wasserstoff zurückgegriffen werden. Dieser wird zwar aus Erdgas gewonnen, gibt aber kein klimaschädliches CO2 in die Atmosphäre ab. Denn das wird beim kohlenstoffarmen Wasserstoff abgefangen und unterirdisch gelagert.

Industriekunden bekommen oberste Priorität

Energieintensive Industrie, die keine kosten- und energieeffizienten Alternativen hat und bei
denen gleichzeitig ein hohes Einsparpotential von CO2 besteht, sollten bei der Bereitstellung von Wasserstoff in der ersten Phase laut Jens Geier bevorzugt werden. Die Nachfrage dort wird den Bau neuer Infrastruktur und die Erweiterung der Produktionskapazitäten vorantreiben.

Energiesysteme zusammenführen – Synergieeffekte nutzen

Für eine zuverlässige und kostengünstige Energieversorgung ist ein einheitliches, integriertes Energiesystem unabdingbar. Wärme, Gas- und Stromnetze müssen zusammen betrachtet werden.

Denn langfristig wird der Transport und die Weiterleitung über dieselben Wege erfolgen wie der Transport von Erdgas. Damit werden Rechte und Pflichten bei der Infrastruktur von Wasserstoff mit denen von Erdgas identisch. Der gesetzliche Rahmen für Strom und Gas sollte daher um Wasserstoff erweitert werden. Ziel ist eine Entflechtung des Gasmarktes auf drei Ebenen: Im Bereich der Eigentumsverhältnisse, bei den Netzbetreibern und bei den Fernleitungsnetzbetreibern. Außerdem müssen Synergieeffekte durch den gemeinsamen Betrieb der Wasserstoff- und Gasnetze genutzt werden.

Menschen mitnehmen – eigene Strategien vor Ort entwickeln

Künftig sollen die Städte in der EU eigene Pläne erstellen, wie sie die Wärme- und Kälteversorgung vor Ort konkret umsetzen und ausbauen wollen. Sie sollen eine Strategie entwickeln, welche Energieträger zukünftig zum Heizen in den eigenen vier Wänden eingesetzt werden und wie Verbraucherinnen und Verbraucher bei dieser Planung mitwirken können. Das erfordert Transparenz und einen genauen Zeitrahmen für Investoren und Verteilernetzbetreiber.

„Die neue Gasmarktrichtlinie stellt einen ganz neuen Ansatz dar“, erläutert Jens Geier das ehrgeizige Vorhaben. „Mit dem schrittweisen Ausstieg aus fossilem Gas können wir schon
kurz- bis mittelfristig unabhängiger von russischen Importen werden. Das ist
gut für die Menschen in Europa und gut für die Umwelt!“

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