Weltklimakonferenz Glasgow

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Rund 200 Staaten ringen im Rahmen der Weltklimakonferenzen darum, wie der Klimawandel eingedämmt werden kann. Die diesjährige Konferenz von Glasgow markiert symbolisch die Halbzeit zwischen der Verabschiedung der UNO-Klimakonvention 1992 und 2050, dem Jahr, indem nach Angaben des Weltklimarats weltweit Klimaneutralität erreicht sein muss. Schon jetzt hat sich das Klima weltweit um 1,2 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit erhitzt und bringt -je nach Region- fatale Folgen mit sich: Dürren, Überschwemmungen, Waldbrände, Starkregen, Stürme oder Hitzewellen.

Nachdem 1992 beschlossen hatten, den Klimawandel zu bekämpfen, folgte lange Zeit nichts- es ging sogar in die falsche Richtung. Statt weniger, wurden in den folgenden Jahren mehr Treibhausgase produziert. Die Erderwärmung stieg stetig weiter an. Erst die Konferenz von Rio 2015 brachte ein Umdenken: Dort wurde zum ersten Mal ein breiter Konsens der Staaten zur konsequenten Begrenzung der Erderwärmung und zur Reduzierung der CO2-Emissionen erzielt. Die diesjährige Konferenz von Glasgow sollte ein weiterer Wendepunkt im Kampf gegen den Klimawandel werden. Ist dies gelungen?

Vor der Konferenz sollten alle Staaten einen landesspezifischen Klimaschutzfahrplan vorlegen. Zum allerersten Mal hat dies auch China getan. Außerdem haben sich mit Indien und China zwei der größten CO2-Verursacher der Welt erstmals zum Ziel der Klimaneutralität bekannt. Auch zum Ende der Regenwaldabholzung und zur Verringerung der Methan-Emissionen gab es Beschlüsse. Positiv auch: Erstmals werden Kohle und fossile Brennstoffe zum Auslaufmodell erklärt. „Das alles zeigt, dass der internationale Druck der Weltklimakonferenzen tatsächlich wirkt. Dieser wurde noch einmal erhöht: Die Staaten sollen ihre nationalen Klimaschutzziele nicht erst 2025, sondern schon nächstes Jahr überprüfen und verschärfen“, freut sich Jens Geier.

Allerdings: Die Beschlüsse sind zunächst nur gute Vorsätze- ihnen müssen schnellstmöglich Taten folgen. Außerdem sind beschlossenen Bekenntnisse zum Klimaschutz sind weit schwächer formuliert als erhofft und als es angesichts der aktuellen Situation notwendig wäre. „Es ist mit den Beschlüssen von Glasgow nun möglich, die Erderwärmung um weitere 0,3 Grad Celsius zu begrenzen. Vor der Konferenz steuerte die Welt noch auf eine Erhöhung von 2,2 Grad Celsius zu, nun werden es nur 1,9 Grad Celsius. Das ist gut, jedoch nur ein Anfang. Wir sind noch meilenweit von dem in Paris beschlossenen 1,5 Grad Celsius-Ziel entfernt“, stellt Jens Geier nüchtern fest. Um die Pariser Ziele zu erreichen, müsse deutlich mehr getan werden, auch in der EU. Der Europäischen Union kommt mit ihren in „Fit for 55“ beschlossenen Klimamaßnahmen eine Schlüsselrolle zu.

Eine rechtliche Verpflichtung der Industrieländer, finanzielle Hilfen für bereits eingetretene Klimaschäden zu leisten, gibt es nach wie vor nicht. Zwar es wurde erstmalig anerkannt, dass die Kosten für die Anpassung an den Klimawandel steigen und die Industrieländer aufgefordert, ihre Hilfen für die Entwicklungsländer bis 2025 zu verdoppeln. Allerdings haben die Industrieländer ihre jetzt schon bestehenden Zusagen bislang noch nicht eingehalten. Demnach sollen sie ab 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar für den Klimaschutz und die Anpassung bereitstellen. Auch wurde nicht beschlossen, dass sie die Fehlbeträge der vergangenen Jahre nachzahlen müssen. Allerdings wurden bereits jetzt die Weichen für höhere Zahlungen ab 2026 gestellt. „Die Industrieländer sind die Hauptverursacher der Krise. Sie müssen ihren Verpflichtungen endlich nachkommen“, stellt Jens Geier klar. Er fordert, dass die EU insbesondere die USA stärker in die Pflicht nehmen müsse, die bisher besonders wenig zur Klimaschutzfinanzierung beigetragen haben.

„Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass den Beschlüssen von Glasgow möglichst schnell Taten folgen. Wir brauchen nicht nur Absichten, sondern konkrete Maßnahmen. Das funktioniert mit Druck. Von der internationalen Gemeinschaft und auf der Straße“, sagt Jens Geier.

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