Pressemitteilung:
Jens GEIER: „Mitgliedstaaten müssen Mehrkosten für Kernfusionsprojekt ITER tragen“
Nach erheblichen Kostensteigerungen in der Vergangenheit sind jetzt weitere Kostenrisiken beim Bau des Fusionsreaktors ITER zu befürchten. Das milliardenschwere Forschungsprojekt, das gemeinschaftlich von der Europäischen Union und sechs internationalen Partnern – Südkorea, Japan, Indien, Russland, China und den USA – finanziert wird, wird voraussichtlich teurer werden als bisher erwartet.So sind steigende Rohstoffpreise in den Kostenkalkulationen bisher kaum berücksichtigt worden. Auch wird derzeit noch überprüft, ob die japanischen Partner nach dem Erdbeben ihren Beitrag am Projekt rechtzeitig liefern können. Weitere unbekannte Risiken liegen zudem in den geplanten Stresstests der EU-Kommission für Atomanlagen.
Diese drohenden Zusatzkosten könnten den noch ungelösten Streit zwischen Europäischem Parlament und Rat über die Finanzierung von bereits angekündigten Mehrkosten in Höhe von 1,3 Milliarden Euro für das Reaktorprojekt aus dem EU-Haushalt weiter anfachen.
"Nachdem sich das Europäische Parlament und der Rat über die Finanzierung von ITER bei den Haushaltsverhandlungen 2011 nicht einigen konnten, ist es wichtig jetzt endlich tragfähige Lösungen zu finden, wie man die drohenden Preiserhöhungen in der Zukunft auffängt", so der SPD-Europaabgeordnete Jens GEIER, Mitglied der gemeinsamen Delegation der Ausschüsse für Haushalt und Haushaltskontrolle, die vom 16. bis 18. Mai 2011 die ITER-Baustelle im französischen Cadarache besuchte.
"Dass die Mitgliedstaaten, um die Kosten für ITER stemmen zu können, den Etat für Energieforschung plündern wollen, ist inakzeptabel", so Jens GEIER weiter. Da die EU an den Kosten von ITER mit 45,5 Prozent beteiligt ist, stellt sich die Frage der Kostensteigerungen für die Europäer in besonderem Maße. 460 Millionen Euro der Mehrkosten sollen nach den Vorstellungen der Mitgliedstaaten aus dem EU-Forschungsetat kommen. "Aber niemand rechnet damit, dass die Fusionstechnologie vor 2050 für die industrielle Nutzung in Frage kommt. Bis dahin muss die Welt einen großen Teil ihrer Energieprobleme aber bereits gelöst haben. Es ist daher unmöglich ITER mit Geld zu bezahlen, mit denen alternative Technologien erforscht werden könnten. Die Mitgliedstaaten der EU werden nicht umhin kommen, einen höheren Beitrag zu leisten", stellte der SPD-Haushaltspolitiker fest.



