Europa neu denken. SPD

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JENS GEIER: “Völlig unklare Vorschläge”

Theresa Mays Brexit-Rede in Florenz

“Theresa Mays angeblich große Brexit-Rede ist eine herbe Enttäuschung”, so Jens Geier, Vorsitzender der Europa-SPD. “Die Vorschläge der Premierministerin sind völlig unzureichend. Zwar ist bei ihr mittlerweile imerhin offenbar die Erkenntnis gereift, dass auf diese Art und Weise kein finales Vertragswerk zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union bis Ende März 2019 ausgehandelt werden kann. Allerdings fehlen noch immer konkrete Pläne der Tory-Regierung – etwa eine finanzielle Zusage an die EU. Die Planungsdokumente ihrer Regierung sind offenbar immer noch ähnlich blank wie der Hintergrund-Aufsteller ihrer Florenzer Rede. Zumal Mays wolkige Vorschläge sogar drei statt Verhandlungsphasen voraussetzen würden: eine für den Brexit, eine für die Übergangsphase und eine für die finalen künftigen Beziehungen des Vereinigten Königreiches mit der Europäischen Union.”

“Am Montag soll die vierte Verhandlungsrunde in Brüssel beginnen – in diesem Stil der nationalen Egoismen sind kaum größere Fortschritte zu erwarten”, sagt Jens Geier. “Wer eine Übergangsphase von der Europäischen Union fordert, muss auch Verantwortung für eingegangene Verpflichtungen übernehmen. Dass Mays Partei heillos zerstritten ist, verwundert angesichts dieser kopflosen Brexit-Strategie während einer historischen Zäsur in der Geschichte des Landes wenig.”

JO LEINEN: “Das wird ein böses Erwachen für die Briten”

Europäischer Rat legt EU-Verhandlungsposition fest

„Viele der von Theresa May geäußerten Vorstellungen werden wie Seifenblasen zerplatzen. Das gilt für den Verhandlungsprozess genauso wie für die Substanz“, sagt Jo Leinen, verfassungspolitischer Sprecher der Europa-SPD vor der Verabschiedung der EU-Verhandlungsleitlinien durch den Europäischen Rat am Samstag.

„Unsere Aufgabe ist es, die verbleibenden Mitglieder der Europäischen Union vor den negativen Auswirkungen des Brexit zu bewahren. Die in Großbritannien lebenden EU-Bürgerinnen und Bürger dürfen nicht zum Opfer des britischen Brexit-Abenteuers werden. Sie müssen ihre erworbenen Rechte behalten und sollten weiterhin ein Aufenthaltsrecht in Großbritannien genießen. Darüber hinaus muss die britische Regierung zu ihren finanziellen Verpflichtungen von bis zu 60 Milliarden Euro stehen“, sagt Jo Leinen vor dem Hintergrund der Prioritäten, die das Europäische Parlament am 5. April in einer Resolution festgelegt hat.

„Die Forderung der britischen Premierministerin, die Austrittsverhandlungen und die Gespräche über die zukünftigen Beziehungen parallel zu führen, ist eine Wunschvorstellung. Die EU-Kommission wird zunächst nur ein begrenztes Verhandlungsmandat erhalten, das sich ausschließlich mit den Austrittsmodalitäten beschäftigt. Großbritannien hat deshalb keine andere Wahl, als sich auf die von der EU vorgegebene Reihenfolge für die Gespräche einzulassen“, sagt Jo LEINEN.

„Auch hinsichtlich der zukünftigen Wirtschaftsbeziehungen scheint es im Vereinigten Königreich noch Illusionen zu geben. Es ist völlig klar, dass Großbritannien als Drittstaat nicht ähnliche Vorteile genießen kann wie ein EU-Mitglied“, so Jo Leinen. „Im Brexit liegt zudem auch eine Chance, die Europäische Union voranzubringen. Zahlreiche Maßnahmen zum Kampf gegen Steuerhinterziehung und für eine Stärkung der europäischen Verteidigungspolitik sind in der Vergangenheit nicht zuletzt am Widerstand Großbritanniens gescheitert. Die EU verliert einen wichtigen Mitgliedstaat, aber auch einen der größten Blockierer.“

Der Europäische Rat wird auf einem Sondergipfel am Samstag, 29. April, die Leitlinien für die Brexit-Verhandlungen beschließen. Die Zweijahres-Frist für die Verhandlungen endet am 29. März 2019. Das Europäische Parlament muss dem Austrittsabkommen zustimmen.

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